Interview: 2DCAT
**englisch below**
Stelle dich kurz vor / Bandvorstellung
Ich bin Johan von der Band 2DCAT. Wir machen retro, dunklen Synthie-Pop. Seit etwa 2022 oder 2023 arbeite ich mit unserer Sängerin HAEZL zusammen. Davor habe ich unter demselben Bandnamen mehr Synthwave-orientierte Musik mit verschiedenen Gastsängerinnen und -sängern gemacht.
Lebst du von der Musik hauptberuflich? Wenn Nein, welchen Beruf übst du aus?
Ich arbeite als Elektroingenieur im Bereich Embedded-System-Design und Hardware Assurance für Mikroelektronik. Zur elektronischen Musik bin ich gekommen, weil mich über Jahre hinweg Musiker gebeten haben, ihre defekten Synthesizer zu reparieren. Viele ältere Geräte enthalten veraltete Mikroelektronik, also fing ich an, Ersatzchips zu entwickeln und dabei auch neue Funktionen einzubauen. Umgeben von all diesen großartigen Vintage-Synthesizern dachte ich irgendwann, vielleicht sollte ich selbst etwas damit machen. Heute stammen die meisten Synthesizer, die ich bei 2DCAT spiele, aus eigener Entwicklung und eigener Fertigung.
Wie entsteht ein Song? Erst die Melodie oder erst der Text?
Es kommt darauf an, und beides ist für mich kein Problem. Meistens entwickle ich zuerst die Instrumentierung und schicke sie an HAEZL zur Rückmeldung. Wir feilen gemeinsam an der Komposition, dann nimmt sie den Gesang auf. Danach passen wir Sounddesign, Instrumentierung und Vocals an, sobald wir hören, wie alles zusammenkommt.
Was ist deine Inspirationsquelle?
Ich liebe analoge Synthesizer, weil sie mich beim Spielen etwas fühlen lassen. Das ist schwer zu beschreiben. Mich inspiriert der Klang, den ich mit ihnen erschaffen kann – meist dunkle Töne, die tief in mir nachhallen. Aus diesen Klängen entwickeln sich dann oft Songs.
Nach welchen Kriterien wird die Setlist zusammengestellt?
Ich habe vor Jahren einmal ein Interview mit Gabi Delgado über den Aufbau einer Livesetlist gehört, und das prägt mich bis heute. Ich möchte, dass das Publikum sich bewegt und die Energie spürt.
Wir haben langsamere Songs, die zu Hause gern gehört werden, aber live funktionieren sie oft nicht, deshalb lassen wir sie meistens weg. Wir kürzen auch Songs, damit es weniger ruhige Momente gibt. Ziel ist es, das Publikum mit Energie zu überwältigen.
Was bedeutet für dich Musik?
Es ist fast peinlich zuzugeben, aber dieser schlecht bezahlte Beruf hat fast mein ganzes Leben bestimmt. Musik bedeutet mir alles. Viele würden wahrscheinlich über den eigentlichen Schaffensprozess sprechen, den ich natürlich liebe. Aber ich liebe auch alles Drumherum. Ich entwerfe und baue die Synthesizer und Effekte, die ich nutze, und ein Design dauert oft mehrere Jahre. HAEZL und ich drehen und schneiden unsere eigenen Musikvideos, und auch das Schneiden macht mir großen Spaß. Außerdem habe ich die letzten zehn Jahre viel über Musikmarketing und Werbung gelernt. Selbst manche T-Shirts und Albumcover sind unsere eigene Kunst. Es ist verrückt, wie man mit einer Sache beginnt, die man liebt, und dann immer mehr Bereiche dazukommen. Ich gehe auch auf viele Konzerte, innerhalb und außerhalb der Schwarzen Szene. Selbst wenn mich die Musik nicht packt, entdecke ich fast immer eine gute Bühnenshow-Idee, die ich für uns übernehmen möchte.


Welche Musik hörst du privat?
Ich finde, Kite machen derzeit mit die beste Musik. Andere Bands, die ich gerne höre, sind Cold Cave, Empathy Test, Molchat Doma, Nick Cave/The Birthday Party, Pink Turns Blue, DAF, Camouflage und Wolfsheim.
Gibt es musikalische Vorbilder?
Als Duo, das live auftritt, habe ich viel von Leuten wie Vince Clarke, Martin Rev, Dave Stewart, Robert Görl und Chris Lowe gelernt. Sie sind nicht nur großartige Musiker, sondern haben mir gezeigt, wie man performt, wenn man eine so energiegeladene Frontperson auf der Bühne hat wie wir mit HAEZL. Anfangs hatte ich das Gefühl, selbst um Aufmerksamkeit kämpfen zu müssen, aber inzwischen habe ich die Rolle des stillen, geheimnisvollen Charakters auf der Bühne angenommen. Ihre Liveauftritte haben mir gezeigt, wie gut diese Dynamik funktionieren kann.
Was ist die wichtigste Musikequipment-Erfindung aller Zeiten-und warum?
Für mich ist die Antwort einfach: der Synthesizer. Ohne ihn würde ich diese Musik nicht machen.
Erzähle von deiner schönsten oder schlimmsten Erfahrung auf der Bühne
Die besten Momente sind die, wenn die Musik beim Publikum ankommt. Das ist das schönste Gefühl der Welt. Richtig schlimme Erfahrungen habe ich wenige. Perfekt läuft es selten, aber genau das schätze ich, weil ich daraus lernen und die nächsten Shows verbessern kann.
Gibt es Rituale vor der Show?
Ich mag es, vorher im Publikum zu sein und vielleicht ein bisschen zu tanzen.
Was würdest du deinem 18-jährigen Ich sagen?
Der Weg hierher war kein gerader. Ich könnte meinem jüngeren Ich Tipps geben, wie es schneller geht, aber dann würde ich wahrscheinlich viele Umwege und Erfahrungen verpassen, die mich heute das alles schätzen lassen.
Was machst du, wenn dich niemand sieht?
Die meiste freie Zeit verbringe ich mit Katzen. In meiner Gegend gibt es viele Streunerkolonien, und wir fangen die Tiere ein, lassen sie kastrieren, impfen und wieder frei. Ich helfe dabei als Freiwilliger in einer lokalen Non-Profit-Organisation. Außerdem füttern wir sie und stellen Außenschutzhütten bereit. Zuhause kümmern wir uns um vier Katzen drinnen und etwa 12 bis 15 draußen. Sie sind alle großartig.
Hast du schlechte Angewohnheiten?
Zu viele. Aber ich arbeite Schritt für Schritt daran, sie loszuwerden.
Was ist der seltsamste Ort, an dem du jemals warst?
Durch meinen Beruf bin ich an Orte gekommen, bei denen ich mich heute noch frage, wie ich dort gelandet bin.
Was bringt dich auf die Palme?
In der US-Musikszene sehen sich viele Bands als Konkurrenz, anstatt zusammen etwas Größeres aufzubauen. Das macht mich wahnsinnig. Als ich in Deutschland lebte, habe ich das nicht so empfunden, aber vielleicht hat sich das inzwischen weltweit verändert.
Gibt es etwas, was Fans machen könnten, für dich als absolutes NoGo wäre?
Wenn ich daran denke, was Bands wie Suicide in den 70ern durchstehen mussten, oder elektronische Bands in Punkclubs etwas später, fällt es mir schwer, mich zu beschweren. Aber eine Bierflasche nach mir zu werfen, wäre definitiv eine Grenze.
Fannah oder doch lieber zurückgezogen?
Ich habe eher eine proletarische Haltung und möchte unter den Leuten sein. Ich rede gern über Musik, über Synthesizer und ich mag die Schwarze Szene sehr. Gleichzeitig bin ich aber introvertiert und etwas unbeholfen, sodass es nicht immer leicht ist, aktiv auf alle zuzugehen. Wenn ihr mich aber bei einer Show seht, kommt unbedingt vorbei und sagt Hallo.
Fünf Fakten über dich
- Alle meine Tattoos haben mit Katzen zu tun.
- Manche denken, ich sei auf der Bühne nervös wegen meiner Bühnenpersona, aber das stimmt nicht. In meinem Job halte ich regelmäßig Vorträge vor 1.500 Leuten.
- Der Voyetra 8 ist der seltenste Synthesizer, den ich besitze.
- Prince ist wahrscheinlich der berühmteste Musiker, dessen Synthesizer ich repariert habe.
- Ich braue in den USA mein eigenes Altbier. Ich habe das Wasser entlang des Rheins genau analysiert, um den Geschmack zu treffen, und ich glaube, selbst Düsseldorfer wären überrascht von meinem Bier.
Worte an die Fans
Danke für eure Unterstützung. Wir lieben es, für euch aufzutreten und zu hören, was unsere Songs euch bedeuten. Das Leben auf Tour kann mental anstrengend sein, aber gerade die Begegnungen mit den Fans geben uns Energie, weiterzumachen.
Aktuelle News / Konzerttermine / Infos
2026 feiern wir unser Europa-Debüt beim Echoes of Rebellion in Köln am 24. Juli, gefolgt vom Reborn Festival in Zwickau eine Woche später. Besonders auf Köln freue ich mich, um alte Freunde wiederzusehen. Es wird sich wie ein Familientreffen oder ein Heimspiel anfühlen.
Introduce yourself briefly / band introduction
I’m Johan from the band 2DCAT. We write retro, dark synthpop music. I’ve been working with our singer HAEZL since around 2022 or 2023. Before that, I was making more synthwave-style music under the same band name with different session vocalists.
Do you live from music full-time? If no, what is your profession?
I work as an Electrical Engineer doing embedded system design and hardware assurance within the world of microelectronics. I got into electronic music after years of musicians asking me to fix their broken synthesizers. A lot of older synths use obsolete microelectronics, so I started designing replacement chips and adding new functionality. Being surrounded by all these amazing vintage synthesizers, I eventually thought, maybe I should try doing something with them myself. Today, most of the synths I use in 2DCAT are ones I’ve designed and built myself.
How is a song created? First the melody, or first the lyrics?
It depends, and I’m comfortable with both. Usually, I’ll come up with instrumentation first and send it to HAEZL for feedback. We tweak the composition, then she records vocals. From there we adjust the sound design, instrumentation, and vocals as we hear how everything fits together.
What is your source of inspiration?
I love working with analog synthesizers because they make me feel something when I play them. It’s hard to describe. I’m inspired by the sounds I can create with them, usually darker tones that really resonate with me. Songs often grow out of those sounds.
According to which criteria is the setlist put together?
I once heard an interview with Gabi Delgado about building a live setlist, and it still sticks with me. I want the audience to move. I want them to feel the energy. We have slower songs that people enjoy at home, but they don’t always work in a live setting, so we usually skip them. We also edit songs so there are fewer quiet breaks. When building a setlist, the goal is to overwhelm the audience with energy.
What does music mean to you?
It’s almost embarrassing to admit, but this underpaid profession has consumed nearly all of my life. It means everything to me. Most people would probably talk about the music-making itself, which I love, but I also love all the things that surround music and the creation of it. I design and build the synthesizers and effects I use, which can take years per design. HAEZL and I shoot and edit our own music videos, and I enjoy the editing process a lot. I’ve also spent the last ten years learning music marketing and advertising. Even some of our t-shirts and album covers are our own artwork. It’s funny how you start doing one thing you love and then it branches into all these other areas. I also go to many live shows, both in and out of the Schwarz Szene. Even if the music doesn’t connect with me, I usually see a good idea in their stage show that I want to try an adapt into how we do things.
What music do you listen to privately?
I think Kite is making some of the best music today. Other bands I enjoy include Cold Cave, Empathy Test, Molchat Doma, Nick Cave/The Birthday Party, Pink Turns Blue, DAF, Camouflage, and Wolfsheim.
Are there any musical role models?
As a two-person band that performs live, I’ve learned a lot from watching Vince Clarke, Martin Rev, Dave Stewart, Robert Görl, and Chris Lowe. Beyond being great musicians, they showed me how to perform when you have such an energetic front person on stage, like we do with HAEZL. Early on, I felt the need to fight for attention, but now I’ve embraced being the quiet, mysterious figure on stage. Watching their live performances taught me how effective that dynamic can be.
What is the most important music equipment invention of all time, and why?
For me it’s simple, the synthesizer. I wouldn’t be doing this music without it.

Tell us about your best or worst experience on stage.
The best moments are when the music connects with the audience. That’s the greatest feeling in the world. I don’t have many terrible experiences. Things rarely go perfectly, but I actually appreciate those moments since they give me the chance to improve for the next show.
Are there any rituals before the show?
I like to be out in the crowd, maybe dancing a little before going on stage.
What would you say to your 18-year-old self?
The path I took to get here wasn’t a straight line. I could tell my younger self how to get here faster, but I don’t know if I’d appreciate it as much if I skipped all the detours along the way.
What do you do when no one sees you?
Most of my free time is spent helping cats. Where I live, there are a lot of feral cat colonies, and we work to trap, spay/neuter, vaccinate, and release them. I volunteer with a local non-profit for this. We also feed and provide shelters for the outdoor cats. At home, we look after 4 cats inside and about 12 to 15 outside. They’re all the best.
Do you have any bad habits?
Too many. I try to slowly work on changing them though.
What’s the strangest place you’ve ever been?
Through my day job, I’ve ended up in places where I still wonder how I ever wound up there.
What drives you up the wall?
In the US music scene, too many bands see each other as competition instead of working together to build something bigger. It drives me crazy. I didn’t notice that as much when I lived in Germany, but maybe things have changed everywhere.
Is there anything that fans might do that would be an absolute no-go for you?
Thinking about what bands like Suicide went through in the early-to-mid 70s, or what electronic bands faced in punk clubs back a bit later, it’s hard to complain. That said, throwing a bottle of beer at me would definitely cross the line!
Close to the fan or would you prefer to keep to yourself? I have more of a working-class mindset and want to be amongst the people. I love talking about music, I love talking about synthesizers, and I really enjoy the Schwarz Szene. However, I’m awkward introverted, so while I want to be accessible, it’s not always easy for me to actively engage with everyone. But if you see me at a show, definitely come up and say hello.
Five facts about you
- Every tattoo I have is related to cats.
- People sometimes think I’m nervous on stage, due to the persona I adopt, but I’m not and in my day job I regularly speak at conferences with 1,500 people.
- The Voyetra 8 is the rarest synthesizer I own
- Prince is probably the most famous musician whose synthesizers I’ve worked on.
- I brew my own altbier in the US. I did extensive testing of the water along the Rhein to get it tasting the way I needed it to be, and I think people from Düsseldorf would be surprised with my beer!
What else would you like to tell your fans?
Thank you for your support. We love playing shows for you and hearing what our songs mean to you. Life on the road can be mentally tough, but those fan interactions give us the energy to keep going.
Current news / concert dates / info
In 2026, 2DCAT makes our European debut at Echoes of Rebellion in Cologne on July 24, followed by Reborn Festival in Zwickau a week later. I’m especially looking forward to going back to Köln and seeing old friends. It’ll feel like a family reunion and a homecoming show for me.


